Mittwoch, 4. Juli 2012

Der Club zur Hotellerie

Der Club im Schweizer Fernsehen wartete gestern mit einem für die Hotellerie spannenden Thema auf und stellte die Frage: «Ungastliche Schweiz?»

Zur Diskussion geladen waren:
Ariane Ehrart, CEO der Tourismusorganisation Engadin St. Moritz;
Urs Kessler, CEO Jungfraubahnen;
Christian Laesser, Professor für Tourismus und Dienstleistungsmanagement an der Universität St. Gallen;
Josef Schirgi, Geschäftsführung Tourismusverband Serfaus-Fiss-Ladis;
Walter Willimann, Coach für Restaurants und Hotelbetriebe sowie
Guglielmo Brentel, Präsident von «hotelleriesuisse».

Eine abschliessende Antwort auf die Frage, ob die Schweiz tatsächlich ungastlich ist, wurde gestern nicht gegeben. Das scheine halt nur so, hiess es. Und warum es so scheint, darüber wurde eingehender diskutiert: Der Schweizer sei ein Perfektionist, der an sich selber so hohe Ansprüche stelle, dass er dabei die Herzlichkeit verliere – war nur einer dieser vielen Erklärungsversuche.

Ein positiver Ansatz kam von Seiten «hotelleriesuisse»: Man müsse als Vorgesetzter seinen Angestellten ein Vorbild sein und ihnen anständige Arbeitsbedingungen ermöglichen – dann klappe es auch mit der Freundlichkeit.

Auch die Frage, warum die Gäste aus dem Ausland ihre Ferien nicht mehr so oft in Schweizer Hotels verbringen mögen, wurde nicht abschliessend geklärt. Zwei Aussagen waren aber spannend: Vielleicht war die Schweiz bisher erfolgsverwöhnt? Und: Vielleicht wissen wir gar nicht, was es heisst, zu kämpfen. Der Tenor war einheitlich: Wir müssen die Erwartungen der Gäste übertreffen und ihnen noch mehr bieten als zuvor!

Die Zukunft wurde von den Experten nicht rosa gezeichnet: Viele Hotels laufen bald Gefahr, nicht länger zu überleben. Dabei solle man sich aber nicht auf jene Betriebe konzentrieren, die es in den letzten Jahren verpasst haben zu investieren. Eine Selektion ist nicht immer schlecht. Vielmehr solle man sich dem Standort Schweiz widmen und zusehen, dass er künftig für die Touristen wieder attraktiv wird. Wie? Dafür wurde gestern keine Patentlösung, dafür der eine oder andere Denkanstoss gegeben.

Zum Club:
http://www.podcast.sf.tv/Podcasts/Club

Kommentare:

  1. Interessant war auch der von der Moderatorin zwar angesprochene, jedoch nicht vertieft diskutierte Widerspruch, dass "Gastfreundschaft unbedingt authentisch und ja nicht aufgesetzt sein dürfe" (Ehrat) gegenüber der "zielgruppengerechten Inszenierung mit Cricket, Fussball u.ä. auf dem Jungfraujoch" (Kessler). Schieben wir den Mythos "Authentizität" nicht immer wieder vor die Tatsache, dass (freundliche) Professionalität im täglichen Umgang mit Gästen gefragt ist? Was wäre, wenn sich Mitarbeitende in Stresssituationen - "50'000 indische Gäste bedeuten mehr Stress als 50'000 deutsche Gäste" (Laesser) - tatsächlich authentisch verhalten würden? Eine Hotelrezeptionistin, ein Bergbahnangestellter o.ä. hat in der Gesprächsrunde gefehlt!

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  2. Aus meiner Sicht wurde die Jury aus einer eher reiferen Experten-Gruppe zusammengestellt. Da fehlen mir die Experten aus meiner Generation (30-40 Jährige)und aus Vertretern aus der Zürcher und Luzerner Touristenbranche. Es gibt ja nicht nur St. Moritz und Jungfrau als Toristische Destinationen:) Zudem hat diese Diskussionsgruppe wohl kaum ein Objektives Auge was die Preise anbelangt. Die Situation der 80/90er Jahre hat sich im Vergleich zu heute stark verändert. Wer in Zürich 5.00 Franken für einen Kaffee zahlt ohne zu meckern hat wirklich ein Problem. Meistens bekommt man/frau auch noch eine Saure Miene vom Service dazuserviert.
    Da braucht es keine langen TV Diskussionen um das Problem zu finden. PS Dieser Kommentar statt von einer Schweizerin:)

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