Montag, 9. Juli 2012

Zürich geht aus – schade

 
Der Beizenführer «Zürich geht aus» ist eine Erfolgsstory. Das muss man als Heftmacher neidlos anerkennen. Das Ganze kommt professionell daher, die Tester – zumindest jene, die ich kenne – sind alles andere als Anfänger, die Exemplare am Kiosk verkaufen sich wie warme Brötchen und auch für den Inseratemarkt scheint das Heft interessant geworden zu sein. Es ist leider meistens der Erfolg einer Publikation, der Begehrlichkeiten weckt. Begehrlichkeiten, die dann in den jeweiligen Verlagshäusern zu erbitterten Grabenkämpfen zwischen dem Inserateverkauf und der Redaktion führen.

Tönen tut das dann etwa so:

Verkauf: «Wir haben ein Angebot, Koch soundso zahlt soundsoviel Franken, wenn er auf den Titelcover erscheint.»
Redaktion: «Redaktioneller Inhalt ist nicht käuflich.»
Verkauf (mit dringlichem Blick zum Verkaufsleiter): «Wir zahlen eure Löhne.»
Redaktion: «Sorry, aber da können wir nichts machen, das wäre Leserverarschung.»
Verkauf: «Wollt ihr Geld verdienen, oder in Schönheit sterben?»

So kann das eine Weile hin- und hergehen bis dann der Verlagsleiter ein Machtwort spricht. Den meisten Publikationen sieht man es früher oder später an, wenn sich der Verkauf in derartigen Diskussionen zu oft durchsetzt. Das Blättern im neuen «Zürich geht aus» hat mir Freude bereitet, die meisten Restaurants sind treffend beschrieben, überaus gefreut hat mich, dass es sogar mein Lieblingsgrieche im Kreis 5 geschafft hat (leider unter der Kategorie Trend, aber im Kreis 5 ist ja sowieso alles Trend).

Etwas stutzig machten mich nur die Rangliste in der Kategorie «Grosse Küchen für Gourmets». Natürlich kann man im Pavillon des Hotel Baur au Lac vorzüglich essen, allerdings hat das Baur au Lac auf Platz 1 nichts verloren. Die dahinter platzierten Marcus Lindner (noch bis Oktober im Restaurant Mesa) und Heiko Nieder (The Restaurant, Dolder) kochen zweifellos in anderen Sphären. Wenn man dann auf Seite 19 noch mit einem 7-seitigen Artikel über das Baur au Lac konfrontiert wird, bekommt das Ganze einen recht schalen Nachgeschmack. Schade.

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