Donnerstag, 6. September 2012

Rauchende Köpfe

Nach zwei Jahren schon könnte alles wieder anders sein. Schlechter.

Die Zukunft, die die sechs Herren an der heutigen Pressekonferenz im Hotel Schweizerhof in Zürich skizzieren, dürfte jedem Gastgeber die Haare zu Berge stehen lassen. Es geht ums Rauchverbot, und zwar, wie so oft in diesen Tagen, um die Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen», über die wir am 23. September an der Urne befinden und deren Forderungen hinlänglich bekannt sind. Und einmal mehr stehen Gastronomie und Hotellerie im Fokus der Diskussion. Als Betroffene, als Leidtragende.

So ist die Branche mit den Referenten Klaus Künzli, Präsident der Gastrosuisse, sowie Pierre André Michoud vom Vorstand der Hotelleriesuisse denn auch gut vertreten. Weiter sprechen die Nationalräte Peter Spuhler (SVP, Präsident IG Freiheit), Jean-François Rime (SVP, Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbands) und Alois Gmür (CVP) sowie Pascal Gentinetta, Direktor der Economiesuisse. Die Herren sind sich einig. Die radikale Lösung und die «rauchfreie Gesellschaft», die die Lungenliga anstrebt – das darf so nicht sein. Es könne nicht angehen, dass sich für das Gastgewerbe und viele andere Branchen nur zwei Jahre nach Inkrafttreten des Bundesgesetzes zum Schutz vor Passivrauchen schon wieder Änderungen aufdrängen. «In den letzten Jahren wurden in so manchem Restaurant oder Hotel teure Umbauten getätigt – dass diese hinfällig sein sollen, ist nicht richtig», so Nationalrat Spuhler.

Die Referenten sehen nicht nur die Verlässlichkeit der Schweizer Gesetzgebung und Arbeitsplätze (laut Gastrosuisse rund 10000 davon allein im Gastgewerbe) in Gefahr, sondern auch die Freiheit der Bürger. «Es geht nicht nur um diese Initiative, die dem Tabakkonsum den Garaus machen will, oder um ein gastfreundliches Gewerbe – es geht um die Frage der Freiheit, der Selbstbestimmung und der Eigenverantwortung», sagt Gastrosuisse-Präsident Künzli. Und Hotelleriesuisse-Vertreter Michoud betont: «Damit wir wahre Gastfreundschaft leben können, braucht unsere Branche nicht nur Gastgeber mit Herzblut, sondern auch einen gewissen unternehmerischen Spielraum, der es uns erlaubt, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse unserer Gäste einzugehen.» Dazu gehören Nichtraucher – und Raucher.

Dass das geltende Gesetz Nichtraucher ausreichend schützt, darüber ist sich die Runde einig. Sollte die neue Initiative im Volk eine Mehrheit finden, befürchten die Nein-Vertreter, dass selbst unbediente Fumoirs in Schweizer Gasthöfen und Hotels künftig Geschichte sein werden, weil ein generelles Rauchverbot in geschlossenen Räumen, die öffentlich zugänglich sind, eingeführt würde. Auch wenn das Parlament Ausnahmen (etwa unbediente Fumoirs) erlauben könnte, ist heute ungewiss, ob sich ein solcher Vorschlag später auch wirklich durchsetzen würde.

www.vernuenftig-bleiben.ch


Kommentare:

  1. Eigentlich sind Droghen in der Schweiz verboten und einfach gesagt gehören Zigaretten dazu. Daher finde ich die Diskussion überflüssig. Von Selbstbestimmung zu reden scheint mir schwierig, da die meisten Länder in Europa gegen Selbstmord sind. Jemand der sich demzufolge systematisch mit Zigaretten die Lungen zerstört hat offensichtlich nicht ausreichend Verantwortlichkeitsgefühl.
    Fakt ist: in den Restauransts ist die Lebensqualität seit der Umstellung für alle Gäste (Nichtraucher, Kinder, etc.) markant besser. Auch Gartenterassen müssten rauchfrei sein, Nichtraucher sollten ja nicht gezwungen werden im Sommer drinnen zu essen! Ein generelles Rauchverbot könnte sicher eine weitere Verbesserung bringen. Es ist nur schade, dass die Vernunft den Menschen durch Verbote aufgezwängt werde muss. Würde jeder Rücksicht nehmen, wäre diese Abstimmung und der ganze Zirkus darum nicht nötig! Ein Fumoir darf logischerweise nur von Raucherpersonal bedient werden. Sie schicken ja auch nicht einen Nicht-Schwimmer als Bademeister los!

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    1. Wenn man so argumentiert, dann bitte mit letzter Konsequenz, will heissen, Alkohol, Zucker und Salz sollten verboten werden, weil das ja auch der Gesundheit schadet und weil die Menschheit zu unvernüftig ist, um freiwillig darauf zu verzichten. Autos sollte man übrigens auch verbieten. Die armen Velofahrer sollten nicht gezwungen werden, die Abgase anderer einzuatmen. Ach ja, das geht ja nicht, weil ja so wahnsinnig viele Nichtraucher, so wahnsinnig gerne Auto fahren.

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