Donnerstag, 23. Juli 2015

Schoggirevolution: Jetzt verkaufen die Entwickler das Patent – an Dieter Meier

Thilo Hühn und Roland Laux (unten) trennen sich von ihrer Erfindung,
mit Wehmut, aber in der Überzeugung, diese bei Dieter Meier in den
richtigen Händen zu wissen. (Archivbilder Salz&Pfeffer)

Drei Jahre ist es her, dass wir verkündeten, es sei eine Schokoladenrevolution ins Rollen gekommen («Kakao zerlegt», Salz&Pfeffer-Ausgabe 5/2012). Zur Erinnerung: Damals liessen ein Forscher der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wädenswil ZHAW (Tilo Hühn) und der Inhaber eines Innovationsbüros in St. Gallen (Roland Laux – ein Interview mit ihm erschien in der Ausgabe 7/2013) verlauten, sie hätten ein komplett neues Verfahren für die Herstellung von Schokolade entwickelt. Damit könne man bis zu 200 Prozent mehr Aromastoffe aus der natürlichen Frucht ins Endprodukt retten. Das Verfahren sei zum Patent angemeldet, die Suche nach Partnern aus der Industrie laufe. 

Das Konzept von Hühn und Laux unterscheidet sich vom konventionellen Herstellungsprozess unter anderem darin, dass die Kakaobohnen nicht geröstet werden, sondern kalt extrahiert – also nach dem Vorbild der Olivenölproduktion mit Wasser vermahlen. Die Idee überraschte die Branche, sorgte für Aufsehen und rief nicht zuletzt rege interessierte Kochprofis auf den Plan. Aus der Industrie traute sich am Ende aber doch keiner so richtig, das Abenteuer Kaltextraktion zu wagen. So gross die Faszination auch war, so gross war auch die Skepsis.

Nicht so bei Dieter Meier. Der (Yello-)Musiker ist bekannt dafür, Neuland grossspurig zu betreten; er betreibt eine Biofarm in Argentinien, züchtet Rinder, lässt Wein anbauen und ist mit bislang zwei Restaurants auch in die Gastronomie vorgedrungen. Eine Querdenker-Schoggi passt ihm da prima ins Konzept. Nach der anfänglichen Idee, gemeinsame Sache zu machen, haben Hühn und Laux (beziehungsweise die ZHAW) nun beschlossen, das Patent an Meier zu verkaufen. Mit Wehmut zwar, aber in der Überzeugung, ihre Revolution in den richtigen Händen zu wissen. Immerhin: Meier soll zehn bis zwölf Millionen Franken in eine Fabrik investieren und mit der Produktion der Extra-Vergine-Schokolade schon nächstes Jahr starten wollen.

Derweil haben Laux und Hühn ein neues Ziel ins Auge gefasst: Mit der Kaltextraktion planen sie nun die Kaffeerevolution.

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