Montag, 21. September 2015

Festival der Extraklasse: «The Epicure» zum Zweiten

Eine illustre Truppe sorgte fürs kulinarisches Erlebnis.
(Fotos: David Biedert)
«The Epicure» sei bereits ein fester Bestandteil dessen, was man hier tue, sagte Mark Jacob, Managing Director des Zürcher Luxushotels Dolder Grand, in seiner gestrigen Ansprache. Und das, obwohl es sich bei der diesjährigen Ausgabe des Gourmetfestivals gerade mal um die Fortsetzung der viel beachteten Premiere von 2014 handelte. Nun, selbst wenn man über den Traditionscharakter der Veranstaltung diskutieren wollte, die hochkarätige Besetzung steht ausser Frage. Nachdem an den ersten drei Festival-«Evenings» renommierte Drei-Sterne-Köche anreisten, um mit dem Küchenchef des Hauses Heiko Nieder gemeinsame Sache zu machen, stand gestern das grosse «The Epicure Final» an. Elf internationale Küchenchefs zeigten an Livecooking-Stationen ihr Können.

Die Gäste kamen in Scharen, und schon zu Beginn des Nachmittags wimmelte es im «Dolder Grand» von kulinarisch Interessierten, die nicht nur bereit gewesen waren, fast 300 Franken für den Einlass zu berappen, sondern sich hernach auch ohne Murren in die Schlangen stellten, um die Gerichte der Kochstars zu kosten. Festgehalten sei an dieser Stelle: Es lohnte sich. Denn Heiko Nieder, der im «The Restaurant» mit 18 Gault-Millau-Punkten und zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet ist, hatte als treibende Kraft hinter dem Festival ganze Arbeit geleistet und eine illustre Schar zusammengeführt, die in ihrer Summe für ein Erlebnis der Extraklasse sorgte.

An den Livecooking-Stationen war man
den Spitzenköchen nah: Gert de Mangeleer in Aktion.
Jakobsmuschel, Kürbis, Tamarinde und Tandoori:
Damit begeisterte der deutsche Koch Christoph Rüffer.
Angereist waren, zum Beispiel, zwei spannende Köche aus dem Amsterdamer Hotel Okura: Onno Kokmeijer vom Zwei-Sterne-Lokal Ciel Bleu reichte eine hervorragend abgestimmte Kombination von Ochsenschwanz mit brauner Butter, geräuchertem Knochenmark und Blue Mountain Coffee über die Theke, während sein Kollege Masanori Tomikawa, der die zwei japanischen Restaurants des Hotels verantwortet, mit zartem Wagyu-Rind, Gemüse und Eiersauce begeisterte. Für beachtliche Schlangen geduldiger Fans sorgten derweil grosse Namen wie der belgische Drei-Sterne-Koch Gert de Mangeleer (er servierte Spitzpaprika mit Ziegenfrischkäse, Sardellen, grünen Oliven und afrikanischem Ringelblumenöl) oder Mauro Colagreco vom Zwei-Sterne-Haus Mirazur in Frankreich. An dessen Steinbutt mit Steinpilzen, Topinambur und Haselnüssen schieden sich allerdings die Geister. Viel Lob kassierte der doppelt besternte Peter Knogl vom Basler «Cheval Blanc»: Sein Carabinero mit Alge und Zitrone war frisch, leicht und harmonisch – schlicht wunderbar. Auch der deutsche Koch Christoph Rüffer vom Zwei-Sterne-Restaurant Haerlin im Hamburger Hotel Vier Jahreszeiten hatte die Gäste mit seiner Variation von Jakobsmuschel, Kürbis, Tamarinde und Tandoori einhellig auf seiner Seite. Und Fans von Süssem kamen an der Station von Patissier Yann Duytsche auf ihre Kosten: Seine Kombination von Schokolade, kanarischer Banane und gerösteten Haselnüssen war eine Wucht. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Für einen weiteren (unbestrittenen) Höhepunkt des Festivals sorgte schliesslich der Hausherr selbst: Heiko Nieders Gericht aus Kaviar und Balik-Lachs mit Sellerie, Eigelb und Bloody Mary gehörte aromatisch zum Spannendsten, was das Festival zu bieten hatte. Und eben: Das war einiges.

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