Montag, 1. Februar 2016

Zum Tod von Benoît Violier


Benoît Violier im Jahr 2013 (Foto: Marcel Studer)

«Ich bin wirklich in diesen Beruf hineingeboren worden», sagte Benoît Violier im Januar 2013, als ich ihn für unsere erste Titelgeschichte des Jahres in Crissier besuchte. Ich lernte einen ausgesprochen freundlichen, leidenschaftlichen und ausgeglichenen Menschen kennen. Ein Jahr davor hatte er die Führung des geschichtsträchtigen Restaurants de l'Hôtel de Ville von Philippe Rochat übernommen. Für seine Küche wurde er direkt mit 19 Gault-Millau-Punkten sowie mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Und das völlig zu Recht. Er brachte es tatsächlich fertig, sich mit einer modernen, stark reduzierten, aber trotzdem sehr zugänglichen Küche von seinen berühmten Vorgängern abzuheben. Das Restaurant war denn auch über Monate ausgebucht und wurde in Frankreich kürzlich zum «besten der Welt» gekürt.

Gestern schied der wohl beste Koch des Landes freiwillig aus dem Leben. Die Gründe dafür sind mir unbekannt, sie gehen ausser seine Familie auch niemanden etwas an. Den Fans und Bewunderern von Violier bleibt die Bestürzung darüber, dass die Schweizer Gastronomie mit ihm einen eindrücklichen Koch und Menschen verloren hat. Meine Anteilnahme – und die der ganzen Redaktion von Salz&Pfeffer – gilt den Angehörigen und den Freunden von Benoît Violier.

Tobias Hüberli, Chefredaktor Salz&Pfeffer

Kommentare:

  1. Liebe Familie Violier und Team des Hôtel de Ville
    Mein herzlichstes Beileid . Ich wünsche Euch allen viel Kraft um diesen Schicksalsschlag zu meistern, saluti da Verscio, Adrian Stalder

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  2. Das ist eine tragische Geschichte, die viel Unverständnis auslöst.
    Ein Interesse am Grund für Violiers Entscheidung zu haben, hat nicht zwingenderweise etwas mit reiner Neugier und Voyeurismus zu tun. Sondern auch damit, ob und allenfalls inwiefern es etwas mit dem Leistungsdruck in der Sternegastronomie zu tun haben könnte. Von daher finde ich die Aussage, dass Violiers Gründe "niemanden etwas angehen", aus journalistischer Sicht etwas voreilig. Vielleicht gehen seine Gründe sogar ganz viele etwas an? Er ist nicht der erste Spitzenkoch, der sich das Leben genommen hat.

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  3. Wie oft sieht man nur den Erfolgsmenschen, aber niemand fühlt und spürt die Einsamkeit und Leere im Inneren. Es ist unendlich traurig.

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